Der männliche Vater

Für Töchter und Söhne

Mit dem Begriff 'männlicher Vater' verbinde ich die Aufforderung an Väter, dem bewussten Mannsein einen angemessenen Stellenwert in ihrem Vaterleben zu geben. Männlicher Vater zu sein bedeutet, sich als Vater bewusst mit seinem männlichen Denken, Fühlen, Handeln und seiner persönlichen Geschichte als Mann auseinander zu setzen und Verantwortung für sein Vater- und Mannsein zu übernehmen.

Kinder lernen am meisten durch die direkte Präsenz und Ausstrahlung der Eltern. In ihrer eigenen Entwicklung zu  erwachsenen Frauen und Männern werden Kinder besonders durch die Frauen- und Männervorbilder geprägt, die ihnen Mutter und Vater vorleben. Deshalb ist es für einen Vater wichtig, sich seinen Kindern in der Beziehung zur Mutter oder anderen Frauen und Männern immer wieder als Mann zu präsentieren. Sich grundsätzlich seiner Identität als Frau oder als Mann sicher zu sein, ist für die meisten Menschen von essenzieller Wichtigkeit für das eigene Selbstwertgefühl und die Gestaltung sozialer Beziehungen.

Vaterliebe

Töchter und Söhne brauchen die Gewissheit, dass ihr Vater sie liebt, ihr ganz Eigenes sieht und anerkennt, ihnen ein selbst bestimmtes Leben zutraut, sie in ihr eigenes Leben loslässt und, wenn sie es brauchen, für sie da ist. Ist diese Gewissheit vorhanden, dann können Töchter und Söhne  ihrem Vater und anderen Männern und Frauen irgendwann auf Augenhöhe begegnen. Die dieser Gewissheit zugrunde liegende Haltung und Ausstrahlung des Vaters ist für mich Vaterliebe. Fehlt diese Gewissheit, müssen Frauen und Männer sich mit ihrem Vater auseinandersetzen, um Fragen zu klären, sich von negativen Erfahrungen zu entlasten, sich im Idealfall mit dem Vater zu versöhnen, aber eventuell akzeptieren, dass eine Klärung mit dem Vater nicht möglich ist. Dann bleibt nur die Möglichkeit, die „Vaterwunde“ anzunehmen und sie zu betrauern.

Exkurs: Leistung und Leiden von Vätern

Das Idealbild des Vaters stimmt oft nicht mit der Realität überein. Besonders wenn existentielle ökonomische oder Beziehungsprobleme die Familie dominieren, sind die Spielräume für andere Aspekte des Vaterseins begrenzt. Häufig ist das Vaterwerden überhaupt erst der Anlass für Männer, sich mit den veränderten Aufgaben als Vater und ihrer Geschichte als Mann auseinanderzusetzen. Und häufig sind auch die entstehenden Belastungen und Probleme so groß, dass bei allem guten Willen Familie und Vatersein nicht wie gewünscht Bestand haben.

Vatersein ist eine Lebensaufgabe. Kinder bedeuten in welcher familiären oder sonstigen Lebensform auch immer Vaterverantwortung. Nehme ich als Vater diese Verantwortung Ernst, können im günstigen Fall meine Kinder Geschenk, Lebensqualität, Initiator meiner persönlichen Entwicklung werden. Im ungünstigen Fall muss ich als Vater nur zahlen, ohne wirklich etwas von meinen Kindern -und umgekehrt sie von mir- zu haben. Werden solche Beziehungsverhältnisse womöglich noch durch negative Beeinflussung der Kinder gegenüber dem Vater verstärkt -bei einem in der Regel sowieso dominanten weiblich geprägten Erziehungsumfeld- dann haben Väter nur noch schlechte Karten. Den Kindern fehlt ein präsentes männlich-väterliches Vorbild, Väter leiden doppelt und müssen sehen, wie sie irgendwie damit klarkommen.

Man gibt das weiter, was man kennt!

Diese Lebensweisheit gilt auch für das Vatersein. Jeder Mann, natürlich auch jeder Vater, ist in seinem Mannsein vom eigenen Vater geprägt. Jeder Vater gibt eigene Vatererfahrungen an seine Kinder weiter, und sein Verhalten ähnelt in vielen Zügen dem Verhalten seines eigenen Vaters. Sind männliche Attribute des Vaters unterentwickelt, weist der Vater möglicherweise negative Züge auf oder ist/war der Vater nicht vorhanden, fehlt den Kindern ein positives Männer- und Vaterbild, das sie für eine gute Bewältigung ihres Lebens dringend brauchen. Besonders die Söhne leiden unter einem unzureichenden männlichen Vatervorbild, ist doch der Vater oft ihr wichtigstes gleichgeschlechtliches Vorbild.

Gestalter des eigenen Vater- und Mannseins

Woher komme ich als Sohn, als Mann, als Vater ? Was gebe ich meinen Töchtern und Söhnen mit ?
Die Antworten auf diese Fragen erweitern das umfangreiche Aufgaben- und Kompetenzenfeld eines modernen Vaters um eine in heutiger Zeit nicht selbstverständliche Komponente, nämlich der Aufforderung, eine väterliche Kompetenz zu entwickeln und Raum zu geben, die auf männlichen Wurzeln begründet ist, aus männlicher Würde, Liebe und Bewusstheit heraus handelt und eine männliche Zukunftsorientierung aufweist. Diese väterliche Kompetenz entpuppt sich als Möglichkeit, Orientierung in die vielfältigen Vateraufgaben zu bringen, durch männliches Selbstbewusstsein männlich-väterliche Präsenz und Klarheit zu fördern, aus Vaterliebe Entscheidungen zu treffen und entschlossen zu handeln.

Zur Stärkung ihres Vater- und Mannseins können Männer Möglichkeiten zur männlich-, väterlichen Nachreifung wahrnehmen. Dazu brauchen sie andere Männer, um ihre eigene besondere Färbung von Mann und Vatersein besser kennenzulernen. Sie brauchen Zugang zu ihren archetypischen männlichen vom eigenen Vater unabhängigen Qualitäten und Potenzialen, besonders zu den wichtigen Potenzen von König (Verantwortung, Ordnung, Zukunftsvision), Magier (Wissen, Innenschau), Krieger (Entscheiden, Handeln, Grenzen setzen) und Liebhaber (Lebensfreude, Verbundenheit, Empathie). (Dazu Archetypentest)